Pro Travemünde nur mit dem Mund?
Montag, 10. August 2009 11:32
Travemünde. Regensicher sind Mischpult und Laptop für die Live-Sendung von „Radio Travemünde“ unter der Back auf der Viermastbark „Passat“ aufgebaut. Wie jeden Tag während der Travemünder Woche sendet „Radio Travemünde“ ab 18 Uhr im Offenen Kanal eine Stunde vom Windjammer. Diesmal geht es um die wirtschaftliche Lage in Travemünde, und was Christian Lohff von der „Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft“ da erzählt, wird von der Politik scharf gekontert.

„Nicht bloß hinstellen und schimpfen“, fordert Karl Erhard Vögele (FDP), hier mit Thomas Schapke (SPD). Foto: HELGE NORMANN
Weil vom Vorstand der Wirtschaftsgemeinschaft niemand Zeit hatte für die Live-Sendung, hat Fritz Toelsner von „Radio Travemünde“ das Interview mit Christian Lohff von der TWG zuvor aufgezeichnet. Das wird nun während der laufenden Sendung eingespielt, während Klaus Petersen (CDU), Thomas Schapke (SPD), Karl Erhard Vögele (FDP) und Thomas Misch (BfL) zuhören. „Wenn Sie mit den Parteimitgliedern der großen Parteien hier in Travemünde sprechen, dann hab ich immer so den Eindruck, dass die sich in Lübeck nicht so richtig durchsetzen können, weil die sind immer für die Wohlfahrt Travemündes“, sagt Radio-Moderator Fritz Toelsner. Und TWG-Vorstand Christian Lohff antwortet: „Ja, mit dem Mund sind sie alle dafür. Und in dem Moment, wo sie wieder in Lübeck sitzen und in ihren eigenen Partei-Gefängnissen gefangen sind, glaube ich – wahrscheinlich ist es in der Politik so“, sagt Lohff.
Der Einfluss der Travemünder CDU sei groß, sagt dagegen Travemündes CDU-Vorsitzender Klaus Petersen. Seine Forderungen für Travemünde hätten ihm in der eigenen Fraktion auch Gegner eingebracht.
Thomas Schapke von der Travemünder SPD erklärt, die SPD hätte mittlerweile gemerkt „dass wir uns hier nicht mehr alles gefallen lassen, das sage ich auch ganz deutlich.“ Die Lübecker müssten sich drauf einstellen, dass die Travemünder weiterhin ihre eigene Meinung haben „und die auch ganz offen kundtun werden.“
Thomas Misch (BfL) nennt als Beispiel die Fremdenverkehrsabgabe: „Die ist im Jahre 2009 nicht eingeführt worden, weil wir aus Travemünde vehement in Fraktionsübergreifenden Besprechungen dort Einfluss genommen haben.“

Bewegen schon etwas für Travemünde: Thomas Misch (BfL) und Klaus Petersen (CDU). Foto: HELGE NORMANN
Und Karl Erhard Vögele (FDP) kontert: „Was mir bei Herrn Lohff aufgefallen ist, ist, dass er immer nur weiß, was andere tun müssen. Das bringt uns nicht voran. Wir müssen nicht fragen, was kann der Staat für uns tun, sondern was können wir für unser Gemeinwesen zusammen tun?“ Für ihn sei TWG-Vorstand Christian Lohff letzten Endes auch ein Politiker, denn er bewege sich in Kreisen, wo Entscheidungen für die Bürger mit getroffen würden. „Und da kann man sich nicht bloß hinstellen und schimpfen und machen und tun, letzen Endes sagen wie doof die Politiker sind.“ Lohff solle sich selbst diesem Problem stellen, in eine Partei eintreten, sich wählen lassen. „Und dann möchte ich ihn nach fünf Jahren mal wieder sprechen an der gleichen Stelle und möchte ihm gern sein Interview vorspielen und mal hören, was er sagt.“ HN
Thema: Text-Archiv | Kommentare deaktiviert | Autor: Helge Normann