Exodus bei der BfL
Dienstag, 20. Dezember 2011 18:40
Travemünde. Drastischer Mitgliederschwund bei der Wählervereinigung „Bürger für Lübeck“ (BfL): In Travemünde sind auf einen Schlag sieben Mitglieder ausgetreten. Der Stadtteilverband im Seebad besteht jetzt nur noch aus zwei Politikern.

„Das Vertrauensverhältnis zum Vorstand der BfL ist nachhaltig gestört“: Johannes Pegel, Timm Thalau, Gabriele Bühring-Pegel, Hans-Peter Raabe, Gudrun Raabe, Wolfgang Winkler und Thomas Schapke haben eine gemeinsam Austrittserklärung unterzeichnet. Foto: HELGE NORMANN
Erst im Juni 2010 wurde der Travemünder Stadtteilverband der unabhängigen Wählervereinigung „Bürger für Lübeck“ (BfL) gegründet. Bis vor kurzem gab es noch 11 Mitglieder. Zwei verließen den Stadtteilverband, blieben aber in der Wählervereinigung. Jetzt steigen 7 weitere Mitglieder komplett aus, haben gemeinsam eine Austrittserklärung unterzeichnet. „Wir sahen keinerlei Grundlage mehr für ein Verbleiben in der Wählergemeinschaft“, meint der ehemalige Vorsitzender der BfL Travemünde, Thomas Schapke, der ebenfalls die Wählergemeinschaft verlassen hat. Der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen, aber es sei das Beste, jetzt die Konsequenzen zu ziehen, meint er. In einer gemeinsamen Presseerklärung der Aussteiger heißt es: „Der Führungsstil des Vorstandes, insbesondere vom Vorsitzenden der BfL, Gregor Voht, war zum Schluss unerträglich geworden.“ Rumort hat es schon während des Bürgermeister-Wahlkampfes: Die BfL unterstützte CDU-Kandidatin Alexandra Dinges-Dierig, aber der Vorstand hätte an einer Wahlkampf-Veranstaltung von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) in Travemünde teilgenommen, heißt es. Was besonders sauer aufstößt: Die Travemünder Mitglieder wurden darüber nicht einmal informiert. „Das war mit uns nicht abgesprochen“, bestätigt Thomas Schapke.
Das Verhältnis zum Travemünder Bürgerschaftsabgeordneten der BfL, Thomas Misch, wird in der Presseerklärung als „zunehmend frostiger“ beschrieben. Misch sei im Ortsrat nicht präsent und mache auch kaum Pressearbeit. Zu den aktuellen Themen wie Fährtarife und Bettensteuer hätte er sich überhaupt nicht geäußert, meint Thomas Schapke. „Und das als Bürgerschaftsabgeordneter, das ist ein bisschen zu wenig.“ Die letzte Sitzung des Stadtteilverbandes bezeichnet Johannes Pegel, ebenfalls jetzt ausgetreten, als „unzufriedenstellend“. Es seien keine Ergebnisse erzielt worden, Thomas Misch hätte einfach alles verneint, was ihm vorgeworfen worden sei.
Hinzu kommt der Erklärung zufolge der vom BfL-Vorstand in Lübeck „eingeschlagene Linksruck zu Gunsten von Rot-Rot-Grün.“ Thomas Schapke berichtet, er werde jetzt oft mit der Frage „Was ist los mit der BfL?“ konfrontiert. Und zieht nun die Konsequenzen. Als zweiter Vorsitzender rückt Thomas Misch damit zum Vorsitzenden in Travemünde auf – in einem Stadtteilverband, der nur noch aus zwei Personen besteht. HN
Thema: Text-Archiv | Kommentare (0) | Autor: Helge Normann