Lübecker Weihnachtsmarkt
Mittwoch, 30. November 2011 19:59
Lübeck. Was in Travemünde so ankommt an Stimmen vom 20 Kilometer entfernten Lübecker Weihnachtsmarkt ist auch mal widersprüchlich: Die Weihnachtsbeleuchtung sei wunderschön, sagen die einen. Ja, aber nur erhöht vom Bus aus, sagen die anderen. Nur Essen und Trinken, die Buden dicht an dicht gestellt, um möglichst viel Standmiete rauszuholen, sagen die einen. Da sind noch Lücken, sagen die anderen.
Unzweifelhaft sind die Preise: Der Glühwein startet meist bei 2,50 Euro, ohne Schuss. Die mittlere Tüte Mutzen bei 3,50 Euro. Schausteller führen das auf die steigenden Standgebühren zurück, die Zeche zahlt der Kunde, oder auch nicht, wenn er am Ende nichts mehr kauft. Es heißt, auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt sei das schon stärker spürbar als in Lübeck. Insofern könnte es sich lohnen, später auch einmal bei den Nachbarn an der Alster vorbeizuschauen, um sich ein Bild zu machen.
Aber zurück nach Lübeck. Traditionell etwas „ab vom Schuss“ das Geschehen an der Obertrave. Gleich Eingangs liegen ein paar umgestürzte Tannenbäume direkt neben einem Schild „Willkommen im Weihnachtswunderland“. Fast jeder Passant hat einen Spruch dazu, die meisten meinen, die Bäume seien in die Trave geweht, die Feuerwehr hätte sie rausgeholt und nun hätte man die Tannen da eben liegen lassen. Ein paar Meter weiter geht es los mit den unvermeidlichen weißen Pagodenzelten. Zufriedene Gesichter aber im Inneren, wo Kinder Kekse backen können. Auf der Eisbahn etwas weiter drehen ein paar Kinder ihre Runden, die Altersbegrenzung liegt bei zehn Jahren.
Zurück Richtung Rathaus: Der Marktplatz beeindruckt wie in den Jahren zuvor durch die Lichterketten, die wie ein Zeltdach gespannt sind. Hier ist auch ordentlich Publikum.
Wer Atmosphäre sucht, dem sei der Historischer Markt im Marienkirchhof empfohlen, wo ein Feuer brennt und Holzhütten stehen mit Kunsthandwerk, Punsch, heißem Kakao, Käse und Brot. Für Entdeckungen sollte man sich an den Kirchen orientieren. Da findet sich auch der Märchenwald, wo Eltern und Kinder vor den animierten Kästen stehen und debattieren, ob das jeweils dargestellte Märchen zuhause nun schon gelesen wurde oder nicht.
Die Breite Straße eher Kommerz, hier haben viele der berüchtigten Einheitshütten ein Zuhause gefunden. Jemand fragt, was das wohl kostet, die herzustellen, ein Jahr einzulagern, dann wieder aufbauen, nach dem Markt wieder abbauen, instand zu halten.
Am Ende dann der Koberg, früher der heimliche Familienweihnachtsmarkt, jetzt offiziell Maritimer Weihnachtsmarkt. Das Riesenrad ist weniger bunt, aber gut sichtbar, was ja auch seine Funktion ist, die Menschen hinzulotsen zum Koberg. Der Imbiss hat nun eine Schiffsfassade. Fässer und Kisten stehen herum. Das Ponyreiten ist weg, dafür ein elektrisches Karussell. Das Entenangeln für Kinder heißt nun Schiffeangeln, trotzdem sagen alle Entenangeln. Geschadet hat das Ganze dem Koberg-Weihnachtsmarkt bislang nicht, er ist gut besucht. Die Schausteller mussten sicher einiges investieren.
Diskutieren kann man sicherlich, was Strandkörbe auf einem Weihnachtsmarkt sollen, aber die sieht man im Dunkeln sowieso kaum… HN
Thema: Text-Archiv | Kommentare (0) | Autor: Helge Normann










