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Tschüss, Stormvogels & Co.: Shanty-Organisator Dieter Peschel kündigt Zusammenarbeit mit Lübeck auf

Montag, 16. Februar 2009 13:50

Travemünde. Das Oster-Drachenfest ist nach Grömitz ausgewichen, im Vorfeld gab es jede Menge Ärger mit der Agentur 8er Kites. Das Tortenfest im 20. Jubiläums-Jahr nicht statt, die Jazz-Frühschoppen im Sommer fallen aus, das Lichterfest kann nicht mehr finanziert werden und letzte Woche kündigte Dieter Peschel, der die Chöre für das Jazz- und Swingfestival sowie die Baltic Sail besorgen sollte, seine Zusammenarbeit mit der Lübeck- und Travemünde Marketing GmbH (LTM) auf. Die erklärte noch vor Erscheinen des ersten Artikels, das Jazz- und Swingfestival zu Pfingsten werde stattfinden, aber ohne Peschel. Der erhebt schwere Vorwürfe gegen die LTM. Ob berechtigt oder nicht, Peschels Ärger zeigt das ganze Dilemma um das Travemünder Veranstaltungsprogramm: Die Marketing-Gesellschaft kommt mit den Akteuren nicht zurecht, die Jahre und Jahrzehntelang das Veranstaltungsprogramm bestückt haben.

Budget ohne Rücksprache gekürzt
“Ich bin ausgestiegen, ja”, bestätigt Peschel auf Nachfrage. Zu den Gründen: “Für mich zählt, ich bin gebürtiger Hanseat, immer noch Ehrlichkeit und Vertrauen an erster Stelle. Und das war dort nicht mehr gegeben. Da ging es darum, wir hätten ja immer noch keinen Vertrag gehabt, weil wir täglich mit neuen Änderungswünschen kommen, was nicht stimmt. Wir warten seit vier Monaten auf einen Vertrag. Jetzt mit einem mal plötzlich am Freitag kam der erste Vertrag. Der war komplett inakzeptabel. Wir hatten uns bereiterklärt, weil ja die LTM Shanty und Jazz auseinanderdividiert hat, wir machen die Sail mit den Shantys und wir machen Jazz zu Pfingsten. Dann ging es aber darum, wir haben von Anfang an gesagt, pro Veranstaltung erhalten wir eine Unkostenvergütung in Höhe von 3.000 Euro.” Laut Peschel wurde das Honorar ersatzlos, “ohne mit uns Rücksprache zu halten, auf insgesamt 3.000 Euro gekürzt. Und uns wurde vorgehalten, wir hätten ja bei Herrn Kirchhoff 2.500 Euro bekommen, das waren aber nur vier Tage. Und da sind es jetzt sieben Tage. Mit der Sail zusammen. Und dann fürs selbe Geld? Nein, danke. Wir arbeiten nicht für Geld. Aber ausnutzen, nein Danke, muss ich nicht haben.” Für Peschel ist Schluss, sowohl mit der Pfingst-Veransaltung als auch mit der “Sail Travemünde”, wo er mitwirken sollte. “Ich möchte mit der LTM nichts zu tun haben.”

Veranstaltung wird jetzt anderen Orten angeboten
Peschel erklärte, er habe die Veranstaltung für Pfingsten an der gesamten Ostseeküste angeboten. “Sollte einer zugreifen, ist das in Ordnung. Für die Bands würde mich das riesig freuen. Ansonsten, wenn das nicht passiert, die Bands wissen alle Bescheid. Die wissen auch über die Hintergründe bescheid. Dann müssen wir das ganze komplett kanzeln.” Vor der Absage habe er noch einmal mit Klaus Petersen (CDU) gesprochen. “Weil ja viele der Meinung waren, das ist auch eine politische Sache. Ich bin in keiner Partei und ich arbeite mit keiner Partei zusammen. Für mich ist nach wie vor wichtig, dass die Veranstaltung rund läuft. Dass das Publikum zufrieden ist. Und das, ich sag immer „unsere“ Bands, wir sind eine große Familie, dass die zufrieden sind. Denn wenn die zufrieden sind auf der Bühne, kommt das beim Publikum unten an.”

Geld für Co-Moderator ist da…
Peschel beklagt sich, dass er die Veranstaltung nicht mehr moderieren dürfe: “Da sollte ein neuer Moderator eingestellt werden. So, ich frag mich heute immer noch, wer das sein könnte.” Er hätte da eine Vermutung, und als er die ausgesprochen habe, da sei eine LTM-Mitarbeiterin sehr rot und verlegen geworden, wie er den Namen gesagt hätte. Peschel: “Ich seh den Sinn irgendwo nicht da drin. Wir kennen die Bands und die einzelnen Musiker. Seit Jahren oder sogar seit Jahrzehnten. Über die kann ich natürlich logischerweise besser berichten oder mit denen kann ich auch besser auf der Bühne sprechen als wie ein X-Beliebiger, sag ich mal, Co-Moderator. Dem muss ich ja erstmal alles beibringen über die Band und so weiter. Und das würde ich wahrscheinlich nicht machen. Auf der einen Seite will man Geld sparen, und auf der anderen Seite will man Geld wieder rausfeuern.”

Kein Verständnis für Abläufe…
Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die Marching-Bands. Peschel: “Dieses Jahr sollten ja drei Marching-Bands durch Travemünde ziehen. Nachdem wir ja voriges Jahr mit zwei so einen großen Erfolg hatten. Das war ja nun nicht koordiniert, das war ja wirklich alles nur spontan. Nicht mal bei der LTM ist man in der Lage, abzuchecken, was Marching ist. Ich sollte denen einen minutiösen Zeitplan vorlegen, wann sie in welchem Geschäft sein werden. Ich sag, das funktioniert nicht. Wenn unterwegs 20 Leute stehen, dann bleiben auch die Musiker stehen und spielen für die. Wenn ein Schiff anlegt und die Leute steigen aus und zufällig sind die Musiker da, dann spielen die für die Leute dort. Die halten sich nie an einen Zeitplan. Das ist in der ganzen Welt so Sitte. Und ausgerechnet in Travemünde nicht?”

Geschäftsleute sollen zahlen
Auf der Ortsrats-Sitzung wurde von Seiten der LTM erklärt, dass die Bands auch in Hotels und Geschäften spielen sollen, die Geschäftsleute sollen dafür dann etwas bezahlen. “Ja, das hieß ja damals, wir wollen die Hotels mit einbinden, worin ich wirklich einen Sinn sehe”, bestätigt Peschel. “Wenn die jetzt abends da drin einen schönen Ball machen und die haben dann ein paar schöne Musiker da drin, die einen hören sich Jazz an und die anderen gehen zum Ball. Gar kein Problem. Denn wir haben genug Zuhörer und Zuschauer. Das ist für Travemünde ein guter Weg.”

Behinderung bei Termin-Absprachen und Honorar-Streitigkeiten
Weitere Probleme hätte er bei seinem Versuch gehabt, mit der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) einen Termin zu machen: “Ich wollte ja immer einen Termin mit Herrn Büchtmann von der Wirtschaftsgemeinschaft haben, das wurde strikt abgelehnt von der LTM”, erzählt Dieter Peschel. Er zietiert die LTM mit den Worten: “Wir machen alle Verhandlungen, da haben Sie gar nix mit zu tun“. Peschel: “Ich wollte von Herrn Büchtmann nur eine Liste machen, dass er seine Vereinsmitglieder anspricht, wer hat Interesse dran, die Marching-Bands bei sich im Laden, vorm Laden, für seine Kundschaft spielen zu lassen. Nach dieser Liste wären auch die Leute bei der Street-Parade bei denen vorbeigegangen. Und die hätten einen Obolus, was weiß ich, zwanzig oder fünfzig Euro, das ist weltweit so Sitte, in den Hut geschmissen, und dann wäre die Sache gegessen.” Eine einfache Sache. “Aber das funktioniert nicht. Weil, ich weiß nicht, die sind so schwerfällig da drin”, sagt Dieter Peschel. “Das ist alles so Stinke-Einfach. Das kapiert sogar ein kleines Kind. Aber die wollen das nicht. Weil das ist für die Neuland. Zum Beispiel hat Frau Kürbis mir vorgehalten, ich verdiene mit den 3.000 Euro sogar noch zuviel für zwei Veranstaltungen. Sie kennt Agenturen, die nehmen fünfzehn Prozent von der Gagensumme einer Veranstaltung. Ja warum soll ich denn bittschön vorher losgehen und handel alle Bands soweit runter, dass wir einen vernünftigen Preis bekommen für Travemünde. Dann würde ich doch den Preis hochjagen, damit ich mehr Geld krieg für fünfzehn Prozent. Oder?” Er sei in die Ecke gestellt worden wie eine Agentur, was er nicht sei, sie wären sich vorgekommen wie dumme Jungs.

Absurde Nebenkriegs-Schauplätze
Streit gab es um die absurdesten Kleinigkeiten, wie etwa den Treffpunkt bei den Lübeck-Terminen: “Wir haben uns in der ganzen Zeit, seit 2008, zweimal in Lübeck getroffen. Wir haben zweimal einen Termin gehabt. Und dann wo? Unten in diesem Stehcafé. Am Holstentor-Platz. Da haben wir uns drin getroffen und da haben wir unsere Akten auf diesem Stehtisch ausgebreitet. Und haben da drüber geredet.” Später, als er den Treffpunkt kritisierte, sei von der LTM abgestritten worden, dass man sich dort getroffen habe. Peschel: “Ja, wir kennen ja gar keinen anderen Raum in diesem ganzen anderen Haus.” Weiter behauptet Peschel, er sei ausgelacht worden, als er gesagt habe, er müsse diese Veranstaltung nicht machen, er würde davon nicht leben. “Da kommt man sich wirklich blöd vor”, sagt Dieter Peschel.

Großveranstaltung scheitert an wenigen tausend Euro
Gescheitert sind die Verhandlungen dann an einer relativ geringen Summe: “Wir machen kein Geheimnis daraus, genauso mit dem, was wir angeblich „verdienen“. Da hat mir sogar Herr Petersen als Steuerberater gesagt, dass das also wirklich nicht zuviel ist”, meint Dieter Peschel. Er will definitiv nicht wieder nach Travemünde kommen, so lange die LTM im Ostseebad die Veranstaltungen verantwortet: “Die Leute können alle reden wie sie wollen, über Herren Kirchhoff, über Herrn Ehrich, das waren zwei wunderschöne Jahre, die wir wirklich genossen haben. Und sollte das Heft mal umgedreht werden, wir sind die ersten, die wieder da sind, wenn er uns will”, sagt er.

Innerliche Belastung durch Verhandlungsablauf
Er hat jetzt die Pfingst-Veranstaltung an der gesamten Ostseeküste angeboten. “Aber mit der LTM werde ich nie wieder zusammenarbeiten, hundertprozentig. Das habe ich auch Herrn Petersen heute morgen am Telefon gesagt. Weil er wollte sich dann noch mal bei Halbedel für uns einsetzen, aber, ne, ich seh da keinen Sinn drin. Weil, ob Sie mir das jetzt glauben oder nicht, meiner Frau ging es gestern hundsmiserabel. Weil uns geht so was an die Nieren, weil, wir sind so was nicht gewöhnt. Heute zieht sie ihren spanischen Pullover an, sie fühlt sich sauwohl, seitdem ich gesagt habe, wir machens nicht mehr. Und ich häng jetzt seit Freitag mit schönster Bronchitis und allem rum, heute Nacht, ob Sie es glauben oder nicht, ich hab das allererste Mal fast durchgeschlafen, ohne zu husten.” Wobei er seine Bronchitis natürlich nicht auf die LTM zurückführen will: “Aber die innerliche Belastung, die ist weg.”

Stellungnahme á la LTM…
LTM-Geschäftsführerin Andrea Gastager hatte sich kürzlich in der Ortsrats-Sitzung öffentlich beschwert, dass sie bei Veröffentlichungen, die die LTM betreffen, nicht gefragt werde. Sie würde sich sehr gern dazu äußern. Nachdem das Peschel-Interview der LTM vorab zugesandt wurde, kam dann am 16.02.2009 auch die Stellungnahme der LTM: “Wir nehmen dazu allerdings keine Stellung, weil aus unserer Sicht bereits alles Nötige gesagt wurde.”

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