Interview: Lichtkonzert in St. Lorenz
Montag, 17. August 2009 12:17
Travemünde. Hauchzarte textile Materialien als Flächen und Linien und viele Scheinwerfer, die subtil im Raum positioniert sind. Jede Leuchte wird einzeln über ein Mischpult angesteuert, das die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn wie eine Klaviatur bespielt. Das Lichtkonzert in St. Lorenz Travemünde, das im Rahmen der „WindArt 2009“ stattfindet, verspricht ungewöhnliche Sinnes-Eindrücke. Im Interview erklärt die Künstlerin, was es damit auf sich hat:

Gisela Meyer-Hahn sorgt für das wahrscheinlich ungewöhnlichste Konzert des Jahres in Travemünde. Foto: HELGE NORMANN
Frage: Frau Meyer-Hahn, in der St. Lorenz-Kirche werden Sie im Rahmen der Wind-Art ein Konzert organisieren. Da ist es ja nicht so zugig. Hat das noch mit Wind-Art zu tun?
Gisela Meyer-Hahn: Das hat mehr mit Bewegung zu tun. Und die Bewegung, also der Impuls, den wir auslösen, kommt durch ein manuell geschaltetes Mischpult in der Interaktion mit den Tönen, die der Kambodschanische Cellist Sonny Thet spielt. Und diese Interaktion, die bewegt einen selbst. Das heißt, die ganzen Kirchwände werden vom Licht eingefangen, und auch die textile Skulptur, die da drin steht, und werden vorsichtig von einer Licht-Atmosphäre in die andere gemischt. So dass man nachher nicht mehr wahrnimmt, dass man in St. Lorenz sitzt.
Frage: Da steckt ja auch richtig Technik hinter, ich hab gehört 500-Watt-Scheinwerfer, wie viele?
Gisela Meyer-Hahn: Voraussichtlich zweiundzwanzig 500-Watt-Scheinwerfer, das sind dann ungefähr 16.000 Ampere, die da geschaltet werden müssen. Toller Weise ist ein Sponsor da, der uns einen Schaltkasten vor die Kirche setzt, denn über solche Strom-Mengen würde auch die Kirche selber gar nicht verfügen. Aber es geht gar nicht um „Laut“ oder um „Strom-Menge“, sondern um Differenziertheit.
Frage: Was hat denn die Kirchengemeinde gesagt? Mussten Sie das erst erklären, was Sie vorhaben?
Gisela Meyer-Hahn: Der Pastor kommt aus der Nachbargemeinde meines Ortes. Und er hatte glaube ich schon mal eine Ahnung, um was es geht. Da ich auch in St. Petri schon mal gearbeitet habe, weiß auch der Organist in etwa die Zuordnung eines solchen Konzertes. Da ich in St. Petri Lübeck ein solches Konzert auch schon mal hatte.
Frage: Wie muss ich mir das Konzert jetzt vorstellen? Ich gehe jetzt rein in die Kirche, und dann wird es dunkel?
Gisela Meyer-Hahn: Es ist dunkel, wenn Sie die Kirche betreten. Und es ist normales Gemurmel oder wie auch immer. Und mit einem Mal erscheint irgendwo ein einziger Ton. Man hört den Ton gar nicht. Und keiner sagt, jetzt geht’s los. Und es wird immer leiser werden, immer leiser im Kirchraum, vom Gemurmel. Und der Ton steigert sich. Und mit einem Mal merkt man, da ist ja überall auch Licht angegangen. Und dieses Licht fängt an, mit dem Ton in Korrespondenz zu gehen. Und dann sich entsprechend der ganzen Komposition zu bewegen.
Frage: Und wie reagieren die Leute darauf?
Gisela Meyer-Hahn: Man ist berührt von seiner eigenen sinnlichen Wahrnehmung. Man hört einen Klang und sieht die Farbe. Man nimmt die wahr und ist so beschäftigt mit diesen beiden Sinnen, dass man so ganz bei sich selber ankommt. Ganz bei sich.
Frage: Wo werden Sie sein?
Gisela Meyer-Hahn: Ich werde wahrscheinlich oben auf der Empore stehen und die ganze Technik von dort oben aus bedienen. Wir spielen live. Absolut live. Es ist nichts digital vorprogrammiert.
Frage: Wie lange gibt es diese Lichtkonzerte schon?
Gisela Meyer-Hahn: Wir arbeiten seit 10 Jahren mit solchen Lichtkonzerten. Wir mussten erst einen großen Bogen schlagen. Wir waren in Deutschland im Süden, Norden, Osten, Westen, und in Finnland und in Frankreich. Und jetzt mit einem Mal so im Nahbereich.
ENDE
„Räume aus Licht, Farbe und Klang“
Farblichtkonzert in der St.Lorenz-Kirche in Travemünde
Dienstag, 18.August 2009
Beginn: 21.30 Uhr
Eintritt 17,50 Euro
Karten an der Abendkasse
Thema: Text-Archiv | Kommentare deaktiviert | Autor: Helge Normann