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Interview mit Angermüller-Autorin Ella Danz

Freitag, 1. Oktober 2010 17:49

Lübeck. Kommissar Georg Angermüller will schön kochen, sein Kollege steht auf Fast-Food: Reichlich Konflikt-Potenzial für die Krimi-Reihe, und ein paar Morde müssen ja auch noch aufgeklärt werden. Die Berliner Autorin Ella Danz hat Kommissar-Figur Angermüller geschaffen, einen Oberfranken an der Trave, der in Lübeck und Umgebung ermittelt. Und viele Leser nicht nur im Norden nun schon seit fünf Bänden fesselt.

Highlight für Krimi-Freunde: Autorin Ella Danz las bei Weiland aus Angermüllers 5. Fall „Rosenwahn“. Foto: HELGE NORMANN

Highlight für Krimi-Freunde: Autorin Ella Danz las bei Weiland aus Angermüllers 5. Fall „Rosenwahn“. Foto: HELGE NORMANN

Jetzt war die Autorin wieder in Lübeck, las in der Buchhandlung Weiland aus „Rosenwahn“, dem 5. Fall von Kommissar Georg Angermüller, der wieder in Lübeck spielt, aber auch in Eutin, Neustadt, Lauenburg. Zuvor gab sie ein Interview in der Kultur-Lounge das Klassik Altstadt Hotels, wo sie während ihres Lübeck-Aufenthaltes wohnte.

Frage: Frau Danz, meine Frau steht total auf Ihre Romane. Haben Sie eher eine weibliche Leserschaft?

Ella Danz: Grundsätzlich lesen Frauen mehr als Männer, jedenfalls Belletristik. Männer lesen meistens Fachbücher oder Fachzeitschriften. Insofern schon. Auch der Angermüller hat viele weibliche Anhängerinnen. Wenn Männer Angermüller lesen dann wissen sie aber auch sehr genau Bescheid und stellen mir dann bei den Lesungen immer sehr strenge Fragen.

Frage: Um mal streng zu fragen, wie kommt man denn auf so eine Figur, einen Mann, der gerne kocht? Ist das Ihr persönlicher Traummann?

Ella Danz: Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich bin froh, wenn ich in der Küche meine Ruhe hab und mich niemand dabei stört. Ich denke, es war erstmal das Oberfränkische. Ich komme ja selbst aus Oberfranken. Und bei oberfränkischen Männern gibt es eben so spezielle Typen, die so sind wie er. Ruhig, gelassen, freundlich. Und eben auch mit einem Hang zum Essen und Kochen. Abgesehen davon, den hab ich eben auch. Deswegen ist er auch so ein bisschen Alter Ego von mir. Ich wollte ihn halt mit so einer speziellen Eigenart ausstatten und da war es natürlich naheliegend etwas zu nehmen, was mir vertraut ist.


Frage:
Bei Ella Danz fällt mir als erstes immer der Roman “Osterfeuer“ ein. Ist das ihr erster Roman oder bekanntester Roman?


Ella Danz:
„Osterfeuer“ war tatsächlich der Erste. Ich hab ihn ja hier oben angesiedelt, weil mir die Gegend gefällt, also Land und Leute vertraut sind. Da war mir natürlich nicht klar, dass das eine Serie werden würde. Und auch nicht, dass die immer hier spielen würde. Aber weil nun mal der Angermüller bei der Bezirkskriminalinspektion Schleswig-Holstein Süd beschäftigt ist, und der Angermüller sich zur Serienfigur entwickelt hat, ist es klar, dass die Romane immer zwischen Fehmarn und Lauenburg spielen müssen. Einmal hab ich ihn ja ausbüxen lassen, im dritten Band „Nebelschleier“. Da ist er in seine alte Heimat gefahren nach Oberfranken, weil die Mutter 70. Geburtstag hatte. Und da hatte ich große Probleme mit dem Verlag das durchzusetzen. Weil die Angst hatten, dass die Leserschaft hier im Norden eben nicht folgt wenn der Ort sich verändert, an dem das spielt. Die sagten, können Sie nicht irgendwie nach der Hälfte wieder dann weiter im Norden ermitteln lassen. Ich hab nein gesagt, er ist da hingefahren und ich hatte das von Anfang an so vor. Und es ist gut gegangen. Die Norddeutschen sind ihm gefolgt trotz alledem und es war so, dass er dann auch in Süddeutschland, was heißt Süddeutschland, in Nordbayern sozusagen, ein paar mehr Leser gefunden hat. Und inzwischen ist es dam Verlag glaub ich auch egal. Aber er hat eben hier oben seine Wahlheimat. Und weil er eben hier diesen Job hat, kommt er hier nicht weg.

Frage: Er ist denn ja in Lübeck unterwegs, ist auch mal im Behördenhochhaus. Sind Sie da auch reinspaziert und haben mal geguckt, wie es da aussieht?


Ella Danz:
Ja natürlich. Ich bin mehrfach dagewesen. Ich hab da einen sehr kompetenten und netten Informanten sozusagen. Der mir das immer wieder ermöglicht, da hinzukommen und mir alle meine Fragen, meine dummen Fragen zum Teil, beantwortet. In welchem Stockwerk ist dies und wo ist das. Wie kommt man da rein, und so weiter. Find ich ganz klasse. Da hab ich eine Super-Informationsquelle. Und auch zur Rechtsmedizin hab ich eine gute Verbindung. Im nächsten Buch, was im Februar erscheinen wird, da kommt dann auch die Rechtsmedizin ein bisschen mehr zum Tragen. Weil ich mich da ein bisschen genauer, zumindest theoretisch informiert habe. Ob ich mich da tatsächlich als Zuschauerin zu einer Obduktion wagen würde, das weiß ich nicht.

Frage: Kommt Kommissar Angermüller denn auch noch mal an die Küste, nach Travemünde, nach Ratekau, Scharbeutz oder Timmendorf? Oder spielt das nächste Buch rein in Lübeck?

Ella Danz: Im nächsten ist das glaube ich in der Nähe von Süsel angelegt. Es spielt unter anderem auf einem Golfplatz und auf einem Biohof, die ich dahin gesetzt habe. Also die existieren nicht in der Realität. Weil ich die Erfahrung gemacht hab, dass die Leute immer denken, sie können den tatsächlich letzten Ort wo es spielt dann auch besichtigen. Und dann auch immer die Leute die sie dort antreffen damit irgendwie in Verbindung bringen wollen. Um das zu vermeiden, halte ich den wirklich letzten Ort wo es dann spielt immer so ein bisschen fiktiv.

Frage:
Es folgen ja sicherlich noch einige Romane. Können Sie sich vorstellen, dass Angermüller dann zum Schluss irgendwann stirbt, wie es manchen Serienhelden ja ergeht?

Ella Danz: Sterben wird er nicht. Ich denke, wenn, dann wird er vielleicht umsatteln. Oder eine längere Auszeit nehmen. Aber sterben, er ist ja nun erstmal so um die 40, insofern hat er noch ein bisschen was vor sich. Aber ich will es nicht auf 18 Bände bringen wie meine Kollegin Donna Leon. Also das finde ich dann schon bisschen viel.

Frage: Sind Sie als Autorin auf Angermüller denn festgelegt?

Ella Danz: Nein, im Sommer hatte ich eine Neuerscheinung, das Buch heißt „Schatz, schmeckt´s Dir nicht?“, geht natürlich auch um Kochen und Essen. Spielt in Berlin, was ja meine Wahlheimat ist seit sehr langer Zeit schon. Das ist so ein satirischer Frauenroman mit mörderischen Einschlägen sag ich mal. Nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Also es ist glaub ich ganz witzig zu lesen, und ein bisschen böse – oder ziemlich böse.

ENDE

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