Kommentar: Copy & Paste 2011
Dienstag, 6. Dezember 2011 13:21
Travemünde. Auch 2011 ging der Bilderklau im Internet fröhlich weiter. Ist allerdings etwas rückläufig, weil doch viele Medien mittlerweile Wasserzeichen einführen. Das erhöht die Hemmschwelle und der Urheber hat immerhin noch den Trost, dass der Dieb mit dem Wasserzeichen dann für ihn wirbt.
Schwieriger wird es, die eigenen Texte zu schützen: Denn da wird meist leidlich umgeschrieben, so dass man die Quelle noch erahnt, der Nachweis des Diebstahls aber schwer zu erbringen ist. Zwei besonders dreiste Fälle in diesem Jahr, über die ich mich schon ein bisschen geärgert habe:
Copy & Paste I: Die LTM googelt sich einen Veranstaltungskalender
Ausgerechnet die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM), deren Geschäftsführerin Andrea Gastager im Ortsrat gern große Worte von „Journalistischer Ethik“ schwingt, kopierte einen kompletten Text über das Beetle-Weekend für ihren Travemünder Veranstaltungskalender und schickte das Ganze über ihren Presseverteiler. Ich will mich nicht auf LTM-Niveau herabbegeben und wegen irgendwelcher Kinkerlitzchen vor Gericht ziehen, aber das hier gern mal dokumentieren:

Original: Veranstaltungshinweis zur Beetle Sunshine Tour 2011 auf www.travemuende-aktuell.de. Screenshot: HELGE NORMANN

Plagiat: Die 1:1 Kopie der LTM auf www.luebeck-tourismus.de, bis heute ohne Quellenangabe oder Hinweis auf den Urheber. Screenshot: HELGE NORMANN
Copy & Paste II: Wozu aufschreiben, wenn man abschreiben kann?
Dreist auch das Plagiat der „Travemünder Möwenpost“: Obwohl ein eigener Redakteur bei der Veranstaltung war, wurden Namen aus der Liste der Sportlerehrungen bei der „Nacht des Sports“ bei der Konkurrenz abgeschrieben. War wohl zu schwierig, das selbst zu notieren.

Original: Die Liste der Sportlerehrungen von der "Nacht des Sports" auf www.travemuende-aktuell.de. Screenshot: HELGE NORMANN

Plagiat: Leidlich umformulierte Liste in der Dezember-Ausgabe der "Möwenpost". Screenshot: HELGE NORMANN
Inhalte-Klau zieht sich durch fast alle Medien. Vom einfachen Themenklau, wo dann einer Geschichte hinterher telefoniert wird und dann so getan, als wäre das alles aus eigenem Mist gewachsen. „Wir haben da einen Tipp bekommen“, sagt dann meist der “Redakteur” am Telefon. Dass der Tippgeber Google News ist gibt kaum einer zu.
Wer zu faul zum Hinterher-Telefonieren ist, der formulierte dann leidlich um. Und bei wem das Handwerk auch dafür nicht reicht, dem bleibt dann ja noch das dreiste 1:1 Plagiat.
Dass Fotografen Zeit, Können und Ausrüstung investieren, ebenso wie Autoren, scheint nicht zu kümmern.
Zitate und Quellenangaben sind natürlich ebenso Fehlanzeige, dafür reicht das Selbstbewusstsein dann nicht mehr, denn es könnten ja ein oder zwei Leser zum Wettbewerber abwandern, wenn man sich anständig verhält.
Meiner Meinung nach ist das nicht nur ein Betrug an den Urhebern, sondern auch an den Lesern, die sich wundern, wieso am Ende überall das Gleiche steht… HN
Thema: Kommentare | Kommentare (0) | Autor: Helge Normann
