Auf den Spuren der Fischer
Montag, 29. August 2011 14:48
Travemünde. Burkhard Wunder nimmt den Südwester nur in der Kirche ab. In zünftiger Fischerkleidung führt er jeden Dienstag Interessierte durch Travemünde. „Auf den Spuren der Fischer“ heißt die Veranstaltung. Die knapp zweistündige Tour beginnt in der Vorderreihe vor der Sparkasse, führt durch Travemündes Altstadt und endet schließlich im urigen Fischereihafen.

Jeden Dienstag zieht Burkhard Wunder in Fischertracht mit Touristen durch Travemünde. Foto: HELGE NORMANN
Während Burkhard Wunder mit Urlaubern und Einheimischen vor der Sparkasse in der Vorderreihe auf weitere Teilnehmer wartet, erzählt er von den Vorzügen des Südwesters: Der Regen läuft über die gewölbten Ränder der Kopfbedeckung problemlos ab. Und der Nacken ist durch das lange hintere Ende immer gut windgeschützt. Außerdem fragen ihn mit der Mütze auf dem Kopf weniger Leute, ob es hier zur Fischerführung geht, denn das ist ja nicht zu übersehen.
Bevor es nun auf die Spuren der Fischer geht, sorgt der Stadtführer für den richtigen Geschmack zum Rundgang: „Wir haben nicht Gosch, wir haben Wöbke und Oldörp“, zählt Burkhard Wunder die beiden Travemünder Fischfachgeschäfte in der Nähe auf. Vor dem Schaufenster von Fisch-Wöbke ist die erste Station der Rundtour. Petra Wöbke-Tarnow hat schon alles vorbereitet, verteilt kostenlos Proben an die Gäste. Nordischer Dill-Salat mit zwei Sorten Hering, Kräutermatjes, geräucherter Matjes. Die Rundgänger freuen sich über die kleine Aufmerksamkeit.
Dann geht es weiter zum Ostpreußenkai in der Vorderreihe. Noch in den 1920er Jahren stapelten sich da die Kisten mit Fisch. Burkhard Wunder erzählt, wie das gerochen hat. Und dass es damals viel mehr Fisch gab als heute. „Die Ostsee war so rappelvoll Fisch, dass man mit dem Boot nicht mehr durchfahren konnte“, sagt er. Lübecker Bedienstete hätten sich damals sogar beschwert weil sie ständig Lachs essen mussten . „Heute ist Hering ja schon ein Edelfisch“, sagt Burkhard Wunder.
So geht es weiter mit einer Mischung aus historisch belegten Anekdoten und möglicherweise einer Prise Seemannsgarn. Durch die „Hinterreihe“, die heute Kurgartenstraße heißt. Wo früher die armen Handwerker wohnten, während die reichen Fischer in der Vorderreihe ihre Häuser hatten. In den Vorraum der St. Lorenz Kirche mit der Drachen-Skulptur aus der Travemünder Sagenwelt. Schließlich in den Hafen, einer „Mischung aus Fischereihafen und Gastronomie“, wo die Tour nach kurzweiligen knapp zwei Stunden endet. Die Gäste bedanken sich mit Applaus. Einer war schon zum zweiten Mal dabei. Die nächste Gelegenheit ist am Dienstag um 11:00 Uhr, Treffpunkt Sparkasse an der Ecke Vorderreihe/Rose, Erwachsene 7 Euro, Kinder bis 14 Jahre 3 Euro. Die Führungen in diesem Jahr laufen noch bis Ende Oktober 2011. HN
Thema: Text-Archiv | Kommentare (0) | Autor: Helge Normann