Nur Sand am Strand?

Travemünde. Generationen von Kindern haben schon Kippen aus dem Sand gebuddelt. Was eklig ist, aber nicht gefährlich. Anders sieht es mit Glasscherben aus. Wie sauber ist der Strand an der Küste?

Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel zeigt ein komplettes Weizen-Glas und den Stumpf, den ein Urlaubsgast im Sand gefunden hat. Foto: HELGE NORMANN

Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel zeigt ein komplettes Weizen-Glas und den Stumpf, den ein Urlaubsgast im Sand gefunden hat. Foto: HELGE NORMANN

„Bierflaschen, Tetrapacks, alles Mögliche“ würden die Leute am Strand liegen lassen, ärgert sich Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel aus Travemünde. „Der Strand wird sauber gemacht von der Kurverwaltung. Aber es ist traurig, dass die Leute ihren Dreck liegen lassen und am anderen Tag einen sauberen Strand erwarten“, sagt sie. Das sei dies Jahr schlimmer als in den Vorjahren. Die Strandaschenbecher würden zwar benutzt, aber die Leute sollten doch auch ihren groben Müll wegmachen. Gerade hat einer ihrer Gäste den abgebrochenen Stumpf eines Hefeweizen-Glases gefunden. „Das war umgedreht im Sand, Gott sei Dank, denn sonst hätte der jetzt wahrscheinlich ein Loch im Fuß“, meint die Strandkorbvermieterin.

„Da muss die Feinjustierung noch mal kontrolliert werden“, meint Strandkorbvermieter Thomas Knoll zum Reinigungsfahrzeug der Kurverwaltung. Foto: HELGE NORMANN

„Da muss die Feinjustierung noch mal kontrolliert werden“, meint Strandkorbvermieter Thomas Knoll zum Reinigungsfahrzeug der Kurverwaltung. Foto: HELGE NORMANN

Frank Hertlein ist als Vorsitzender der DLRG Lübeck für die Sicherheit am Strand zuständig. Gefahren sieht er eher beim verbotenen Springen von den Brücken, wo es von Knochenbrüchen bis zu Querschnittlähmungen kommen kann. „Klar, man kann sich irgendwo schneiden, ob das Muscheln sind oder auch mal eine Glasscherbe, aber da sind wir für ausgestattet“, sagt er.

Wolfgang Hoffmann aus Lübeck ist Stammgast bei der Travemünder Strandkorbvermietung Knoll. Bei seinen Spaziergängen am Strand sammelt und entsorgt er immer eine Handvoll Glassplitter, erzählt er. „Die Leute trinken aus ihren Pullen, zerstören sie mutwillig und lassen dann die Teile am Strand liegen“, sagt er.

„Die Leute trinken aus ihren Pullen, zerstören sie mutwillig und lassen dann die Teile am Strand liegen“, ärgert sich Strand-Gast Wolfgang Hoffmann. Foto: HELGE NORMANN

„Die Leute trinken aus ihren Pullen, zerstören sie mutwillig und lassen dann die Teile am Strand liegen“, ärgert sich Strand-Gast Wolfgang Hoffmann. Foto: HELGE NORMANN

Strandkorbvermieter Thomas Knoll sieht an schönen Sonnentagen fast täglich Menschen mit Schnittverletzungen. „Es sind auch sehr viele Leute, die ihre Flaschen mit nach vorne nehmen, da zerdeppern und gerade vorne an der Wasserkante, wenn die Kinder da spielen, ist das nicht so schön.“ Knoll sieht ein Problem beim Reinigungswagen der Kurverwaltung. „Eigentlich hebt der nur den Sand hoch und pulvert alles wieder zu“, meint er. Der eigentliche Müll würde gar nicht rausgeholt aus dem Boden. Nachdem der Reinigungswagen, der „Beach-Cleaner“ über den Strand gefahren sei, hätte er noch ganze Zigarettenschachteln und sogar ein Handy gefunden. „Da muss die Feinjustierung noch mal kontrolliert werden“, meint Knoll. „Ich weiß ja nicht, was für eine Größe die sammeln können, wahrscheinlich alles ab Aktenkoffer“.

Die Arbeitsteilung bei der Reinigung ist in Travemünde klar geregelt: Die Promenade reinigt der Kurbetrieb, den Bereich der Strandkörbe pflegen die Strandkorbvermieter und die Wasserlinie ist dann wieder Aufgabe des Kurbetriebs.

„Grundsätzlich reinigen wir den Strand auch in der Tiefe, wir sieben den durch“, sagt Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Foto: HELGE NORMANN

„Grundsätzlich reinigen wir den Strand auch in der Tiefe, wir sieben den durch“, sagt Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Foto: HELGE NORMANN

„Grundsätzlich reinigen wir den Strand auch in der Tiefe, wir sieben den durch“, meint Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Dass nun Glas oder etwas anderes am Strand sei, sei nicht die Regel. „Es kann mal sein, dass Gläser mit an den Strand genommen werden und kaputtgehen. Aber es ist eigentlich nicht der Regelfall. Mir sind sehr wenige Fälle bekannt, dass so was passiert.“ Ob Scherben dem Beach-Cleaner entgehen, würde von der Größe abhängen: „Der Beach-Cleaner nimmt ja die kleinen Steine raus, Durchmesser vielleicht zwei Zentimeter, der Rest fällt natürlich so durch.“ HN

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Datum: Donnerstag, 15. Juli 2010 6:38
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