Projekt Waterfront: Priwall bald ohne Camping?
Travemünde. Die Lübecker Bürgerschaft hat für das „Projekt Waterfront“ des Dänischen Unternehmers Sven Hollesen am vergangenen Wochenende Grünes Licht gegeben. Rund um den Passathafen soll das touristische Großprojekt entstehen. Was auf dem Priwall nicht überall Freude auslöst. Schon den Ferienhäusern nach Dänischem Vorbild musste ein Campingplatz weichen. Das gleiche Schicksal droht nun auch dem Platz hinter dem Passathafen.
Peter Kludas aus Hamburg ist seit 4 Jahren Dauercamper, verbringt seine Sommer auf dem Priwall. Seine Eltern hatten in Hamburg ein eigenes Sportgeschäft mit Wohnwagenverkauf, er ist mit Wohnwagen aufgewachsen. Er will auf dem Priwall bleiben, so lange der Platz besteht. „Die Stimmung ist sehr gemischt, ängstlich“, beschreibt er die Lage bei den Campern. „Viele Leute, die hier einen Dauerplatz haben, haben natürlich auch relativ viel investiert von ihrem kleinen Geld. In die Ausrüstung des Platzes, in einen Wohnwagen und in eine entsprechende Zugmaschine.“ Sowas gibt man ungern auf. „Zumal die Campingplätze hier in der Lübecker Bucht ja dünn gesät sind.“, meint der Hamburger.
Argumente wie Millionen-Investitionen und Arbeitsplätze hält er für „dummes Zeug.“ Kludas: „Das ist alles Wunschdenken, weil das, was hier geplant ist, hat mit dem Priwall und seiner Funktion überhaupt nichts zu tun.“ Der Priwall war immer Volksbad. Peter Kludas glaubt, dass es sich bald kein Mensch mehr leisten kann, auf dem Priwall drei Wochen Urlaub zu machen: „Wenn ich eine Kiste Bier holen will, dann muss ich von vornherein zu der Kiste Bier 10 Euro hinzurechnen, für Fährgebühren. Und das soll man auf längere Sicht 1000, 2000 oder 3000 zusätzlichen Gästen zumuten? Das wird nicht funktionieren“, glaubt er. Auch Läden würden nicht kommen. „Keine Kette würde auf den Priwall einen Laden stellen, weil der Priwall, selbst wenn da noch 3000 Betten entstehen, da keine Auslastung für bietet.“
Das Konzept der „Bürgerinitiative behutsame Priwall-Entwicklung“ (BiP) dagegen hätte Hand und Fuß, meint der Camper. Es sieht eine moderatere Bebauung vor, will auch den Campingplatz erhalten. „Wenn man das nicht sehen will von der Politik, was dort gemacht wird, und dass das auch positive Alternativen sind, dann kann ich nur sagen, Politik, und dann kommt mir wieder das Essen hoch.“ Die Bürgerinitiative hat bereits erklärt, dass sie notfalls auch gegen Waterfront klagen würde, hat dazu den Berliner Rechtsanwalt Klinger engagiert. Die Aussichten, Waterfront zu verhindern, stehen nicht schlecht: Die Kanzlei Geulen & Klinger hat schon das Berliner Bombodrom zu Fall gebracht und gilt als „Bürokratenschreck“. HN

