Beiträge vom Oktober, 2009

Feierabend: Barbier von Travemünde geht in Pension

Samstag, 31. Oktober 2009 7:17

Travemünde. Er hat noch dem Spanischen König Juan Carlos die Haare geschnitten. „Der hat ja hier früher in Travemünde öfter gesegelt“, sagt Friseurmeister Siegfried Austel. Auch der alte Alfred Krupp saß bei ihm auf dem Stuhl und der legendäre Showmaster Peter Frankenfeld. Am 1. November geht der Barbier von Travemünde in Pension.

Hat einer ganzen Generation die Haare geschnitten: Siegfried Austel, hier in seinem Geschäft in der Kurgartenstraße. Foto: HELGE NORMANN

Hat einer ganzen Generation die Haare geschnitten: Siegfried Austel, hier in seinem Geschäft in der Kurgartenstraße. Foto: HELGE NORMANN

„Ich bin mit den Kunden alt geworden oder umgekehrt“, sagt Siegfried Austel. Seit dem 15. September 1951 ist er Friseur. Gelernt hat er in Bayern, war mit 17 Jahren Geselle. Arbeitete dann in Hamburg, später auf einem Schiff, dann in Timmendorfer Strand, schließlich im damals größten Lübecker Salon. Am 23. Mai 1963 machte Austel sich in der Travemünder Vorderreihe selbständig, in dem Ladengeschäft, wo heute die Bäckerei Schütte ist. Nach 20 Jahren zog er in die Geschäftsräume in der Kurgartenstraße um, wo heute noch der Salon ist.

Mehr als 46 Jahre lang hat Siegfried Austel den Travemündern die Haare geschnitten. Offenbar sehr gut: Seine treuesten Kunden stammen noch aus seiner Lübecker Zeit, fahren seit einem halben Jahrhundert zum Haare schneiden von Lübeck nach Travemünde: „Meine ältesten Kunden bediene ich seit 50 Jahren“, sagt Siegfried Austel.

Von den Berühmtheiten in seinem Salon hat er sich nie Autogramme geben lassen, ganz bewusst: „Weil ich gesagt habe, diese Leute wollen auch ein bisschen anonym bleiben. Das hat man mir wahrscheinlich auch immer angerechnet, dass die gerne gekommen sind, ohne dass viel Trara gemacht wurde.“

Stammkunden, die dieser Tage bei ihm vor dem Spiegel platz nehmen, erzählt er, dass dies nun der letzte Haarschnitt ist. Am 31. Oktober hat der Barbier seinen letzten Arbeitstag, am 1. November übergibt er das Geschäft seiner Nachfolgerin. Wie fühlt man sich da kurz vor der Pensionierung? „Wenn man auf so eine Zeit zurückgucken kann und gesund geblieben ist, dann fühlt man sich gut“, meint Austel. Sein Anspruch war immer, „nicht der billigste zu sein, sondern Qualität zu verkaufen, freundlich zu sein, einen sauberen Laden bieten, das hat sich bewährt.“ Das hat er auch seiner Nachfolgerin empfohlen, die bei ihm gelernt hat.

Siegfried Austel selbst wird ab November nicht Däumchen drehen: Als Vorsitzender des Heimatvereins engagiert er sich weiter für das Seebadmuseum Travemünde in der Torstraße. Seine Hauptaufgabe sieht er dort darin, für die Gelder zu sorgen, die neue Projekte ermöglichen. Zum Beispiel zum 100. Geburtstag der Viermastbark „Passat“ im Jahre 2011. Dann soll es eine Ausstellung mit Infos über die „Flying-P-Liner“ und mit Schiffsmodellen der „Passat“ und der „Pamir“ geben. HN

Thema: Text-Archiv | Kommentare deaktiviert | Autor: