Fremdenverkehrsabgabe: Muss Travemünde jetzt Lübecks Weihnachtsbeleuchtung bezahlen?

Travemünde/Lübeck. Lübecks SPD-Chef Peter Reinhardt soll recht laut geworden sein auf der Krisensitzung zur Lübecker Weihnachtsbeleuchtung am 23. Oktober. Die wurde für einen geringen Betrag vom Lübeck-Management an eine andere Stadt verkauft, und seitdem ist die Stimmung gar nicht vorweihnachtlich bei den Lübecker Touristikern. Zum Schluss kam Reinhardt dann mit der Fremdenverkehrsabgabe, erklärte, die würde jetzt eingeführt. „Das habt Ihr jetzt davon!“, soll er gesagt haben. Diese Abgabe für Geschäftsleute soll aber nur in Travemünde, so wie sie in anderen Ostseebädern auch schon besteht, eingeführt werden. Nicht in ganz Lübeck.

Weihnachtsbeleuchtung in Lübeck 2008.

Weihnachtsbeleuchtung in Lübeck 2008.

Müssen Travemünder Firmen jetzt die Lübecker Weihnachtsbeleuchtung bezahlen? Im Ostseebad wird die Beleuchtung von der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) finanziert. Mehr Lichter als je zuvor werden in diesem Jahr die Straßen säumen, es wurde nach Ausrüstung dazugekauft statt verkauft. Reinhardts Vorstoß wird in Travemünde kaum auf Gegenliebe stoßen, da ist Streit vorprogrammiert. Das Thema „Fremdenverkehrsabgabe“ wurde schon Ende September auf einer Politik-Veranstaltung der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) von Lübecks Spitzenpolitikern sehr unterschiedlich gesehen. „Uns liegt am Herzen, hier die Wirtschaft in Schwung zu bringen, und da glaube ich tut es nicht unbedingt Not, nun alles mögliche an Kosten zusätzlich von denjenigen hier zu erheben, die hier eine Leistung anbieten“, meinte da Gerrit Koch (FDP). Er ist auch aus Gerechtigkeitsgründen gegen die Einführung einer Fremdenverkehrsabgabe in Travemünde, weil ja auch andere Bereiche von Lübeck von den Touristen profitierten, etwa der Citty-Park, wo gern Skandinavische Gäste hinfahren. Antje Jansen (Linke) meint: „Wir sind für die Fremdenverkehrsabgabe, weil Travemünde attraktiv für Touristen, für Tagesgäste zu machen, kostet ja auch Geld.“ Peter Reinhardt (SPD) war damals schon für die Abgabe: „Da haben wir eine ganz klare Aussage, dass wir die Fremdenverkehrsabgabe wollen“, sagt er auf der Veranstaltung im Travemünder Maritim. Damals wollte er allerdings das Geld noch nicht für die Lübecker Weihnachtsbeleuchtung nutzen. Reinhardt: „Wir wollen auch ganz klar dieses Geld auch dafür nutzen, für Travemünde. Nicht um den Haushalt zu sanieren, das ist doch ganz klar.“ Bernd Möller (GRÜNE) wiederum war gegen die Abgabe: „Die Grünen wollen tatsächlich nicht die Fremdenverkehrsabgabe, weil wir gesagt haben, das trifft nicht genau. Es trifft möglicherweise Betriebe oder Menschen, die dafür die Leistung nicht erbringen können. Es ist schwierig, juristisch auch einen Unterschied herzustellen gegenüber Lübeck, der Altstadt und so weiter“, meinte Möller. Warum sollen nur die Travemünder zahlen? Möller schlug stattdessen eine angemessene Abgabe von Kongressteilnehmern vor. Dr. Raimund Mildner (Bürger für Lübeck) warnte vor den Bürokratischen Kosten: Ganz viel Geld könne man mit der Fremdenverkehrsabgabe sicherlich nicht bekommen. „Weil ja erstmal die bürokratischen Kosten da wieder in Abzug gebracht werden müssen dabei.“ Statt Fremdenverkehrsabgabe schlägt Möller vor, dass die Wirtschaft in Travemünde zusammensteht und eigene Vorschläge entwickelt, „wie sie sich denn an den Kosten der Tourismuswerbung, der Beförderung von Travemünde beteiligen kann.“ Möller: „Ich würde mir wünschen, dass die Wirtschaft in Travemünde viel mehr Kreativität mit entwickelt, das nicht notwendig zu machen durch einen angemessenen Beitrag gerade eben durch Zusammenarbeit mit der LTM.“
Tenor war auf der Veranstaltung selbst bei den Befürwortern der Abgabe, dass das Geld, wenn die ungeliebte Abgabe denn kommt, auch wieder in Travemünde investiert werden muss. Ganz sicher hatte niemand die Lübecker Weihnachtsbeleuchtung im Sinn.

Autor:
Datum: Montag, 27. Oktober 2008 11:11
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Text-Archiv

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

Keine weiteren Kommentare möglich.