Fast schon eine Institution: Claudia Schmäing lässt jeden Tag Touristen auf Travemündes Alten Leuchtturm
Freitag, 10. September 2004 16:53
Travemünde. Sie könnte sich auch kleine Pappschildchen machen und die hochhalten, aber sie beantwortet jede Frage freundlich als wäre es das erste Mal: Zu 90 Prozent wird Claudia Schmäing, seit Mai Pächterin des alten Leuchtturmes in Travemünde, von Touristen immer das Gleiche gefragt. Die Favoriten: „Gibt es einen Fahrstuhl?“, fragt vor allem die jüngere Generation um 40. Gibt’s leider nicht. „Wie hoch ist der Turm?“. 31 Meter. „Wie viele Stufen hat der Turm?“ 142 sind es. „Kann man da raus?“. Ja, die Aussichtsgalerie ist zugänglich. Manche wollen auch erstmal vorsichtig einen Blick hineinwerfen und gucken, ob die Stockwerke auch geschlossen sind: Erstaunlich viele Menschen, hat Claudia Schmäing in ihrem neuen Beruf festgestellt, sind nicht schwindelfrei.
Auch nach dem nächsten Briefkasten, Apotheke, Lebensmittelmarkt und Banken wird gern gefragt. Gut, dass die gelernte Journalistin sich im Ort so gut auskennt. Nur bei der Frage, was denn eine Eigentumswohnung im Maritim nebenan kostet, musste sie passen.
Der Alte Leuchtturm am Leuchtenfeld, früher nur einmal die Woche für eine Stunde geöffnet, hat sich zu einem beliebten Anlaufpunkt für Touristen entwickelt. Sechs Tage die Woche war der Leuchtturm im Sommer geöffnet, bis Ende Oktober ist er immerhin noch Mittwochs bis Sonntags von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen. Danach nach Bedarf und Wetter.
Claudia Schmäing steigt jeden morgen die 142 Stufen hinauf und legt die Lichtschalter für die historischen Seelaternen und die anderen Ausstellungsobjekte um. „Ich nehme mir dabei immer noch Zeit, die schöne Aussicht zu genießen“, sagt sie. Die älteste Besucherin, die ihr das gleichtat, war immerhin schon 90 Jahre: „Sie hat eine halbe Stunde bis nach oben gebraucht“, erzählt Claudia Schmäing. Die anderen Gäste, die dann vom Leuchtturm kamen, berichteten: „Da oben ist eine alte Dame, die ist so glücklich…“
Thema: Text-Archiv | Kommentare deaktiviert | Autor: Helge Normann